Bretonische Spezialitäten: ein Mord vor Dupins Augen und eine Reise für Genießer

Eigentlich soll Kommissar Dupin in Saint-Malo nur an einem drögen Polizeiseminar teilnehmen. Statt sich aber durch Vorträge zu quälen, nutzt er die Pause für einen Bummel durch die alte Korsarenstadt. Dann geschieht das Unfassbare: Direkt vor seinen Augen wird in den Markthallen ein Mensch getötet. Aus dem ungeliebten Fortbildungstrip wird unversehens Dupins neunter Fall.

Schnell zeigt sich, dass es nicht bei einer Tat bleibt. Eine heimtückische Mordserie erschüttert die Region und zieht Dupin quer durch den bretonischen Norden. Seine Ermittlungen führen ihn von der Austernstadt Cancale über das mondäne Seebad Dinard bis in die exquisite Restaurantszene von Saint-Malo.

Wie immer bei Bannalec spielt das gute Essen eine tragende Rolle. Diesmal stehen die kulinarischen Spezialitäten der Bretagne nicht nur am Rande, sondern mitten im Zentrum des Falls. Zwischen Austernbänken, Sternerestaurants und den Geheimnissen alteingesessener Familien muss Dupin herausfinden, was die Opfer verbindet, bevor der Täter erneut zuschlägt.

Unser Fazit zu Bretonische Spezialitäten

„Bretonische Spezialitäten“ ist ein Band für Genießer. Bannalec verbindet seinen Krimi diesmal besonders eng mit der bretonischen Küche, und wer beim Lesen Appetit auf Austern aus Cancale und ein Glas Muscadet bekommt, ist genau die Zielgruppe. Die Schauplätze Saint-Malo und Dinard sind dankbare Kulissen, und der Auftakt mit dem Mord direkt vor Dupins Augen ist einer der stärksten der Reihe.

Erfreulich ist, dass hier tatsächlich eine Mordserie für mehr Tempo sorgt als in manch ruhigerem Dupin-Band. Die Spurensuche bekommt dadurch einen roten Faden, der das Buch zügiger trägt. Dupin selbst ist in gewohnter Form: kaffeesüchtig, ungeduldig und mit einem feinen Gespür für die Eigenheiten der Menschen, denen er begegnet.

Wo wir abwägen: Die kulinarischen Exkurse und Landschaftsbeschreibungen nehmen viel Platz ein, und wer einen straffen Thriller erwartet, wird sich mitunter wünschen, der Fall käme schneller voran. Auch die Auflösung ist solide, aber kein großer Paukenschlag. Für uns bleibt ein runder, atmosphärischer Band, der die Stärken der Reihe selbstbewusst ausspielt.

Für Neueinsteiger ist der Fall gut verständlich, weil er stark für sich steht. Die feinen Entwicklungen rund um Dupins Privatleben erschließen sich aber erst mit den Vorgängern.

TitelBretonische Spezialitäten
AutorJean-Luc Bannalec
Band9 (Kommissar Dupin)
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum2020
Seitenanzahl352
ISBN978-3-462-05401-9
Preis Taschenbuch13,00 €
Preis E-Book10,99 €
Bewertung★★★★☆ (4 von 5)

Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, als Taschenbuch für 13,00 Euro erhältlich, als E-Book für 10,99 Euro. Hier bei Amazon bestellen

Alle Bände der Reihe in ihrer Reihenfolge

Mehr zum Autor und zur kompletten Reihe auf unserer Übersichtsseite zu den Kommissar-Dupin-Krimis.

Die Verfilmung im Ersten

„Bretonische Spezialitäten“ wurde von der ARD Degeto verfilmt und lief als neunter Film der Reihe am 6. Mai 2021 im Ersten. Pasquale Aleardi spielt erneut Kommissar Georges Dupin. Die TV-Fassung verlegt einiges und stellt die Korsaren-Geschichte Saint-Malos stärker in den Vordergrund.

Wie bei allen Dupin-Verfilmungen gilt: Die Filme nehmen sich Freiheiten gegenüber den Romanen. Unsere Empfehlung bleibt deshalb: erst das Buch, dann der Film. Der Roman gönnt sich mehr Zeit für die kulinarischen Schauplätze und die Figuren.

FAQ zu Bretonische Spezialitäten

Muss ich die Vorgänger kennen, um „Bretonische Spezialitäten“ zu lesen?

Nein, der Fall ist abgeschlossen und auch als Einzelband gut zu lesen. Wer die Entwicklung von Dupins Privatleben mitverfolgen möchte, sollte die Reihe aber chronologisch lesen.

Wo spielt „Bretonische Spezialitäten“?

Im bretonischen Norden, rund um die Korsarenstadt Saint-Malo, die Austernstadt Cancale und das mondäne Seebad Dinard. Die regionale Küche steht im Mittelpunkt des Falls.

Wurde „Bretonische Spezialitäten“ verfilmt?

Ja. Die ARD-Degeto-Verfilmung wurde am 6. Mai 2021 im Ersten erstgesendet, mit Pasquale Aleardi als Dupin. Sie ist in der ARD Mediathek zu finden.

Ist „Bretonische Spezialitäten“ etwas für Feinschmecker?

Auf jeden Fall. Kaum ein anderer Band stellt das bretonische Essen so sehr ins Zentrum. Austern, Sterneküche und Spezialitäten sind hier mehr als Beiwerk, sie sind Teil des Falls.