Bretonische Nächte: ein Fall, der Dupins Team persönlich trifft

Der bretonische Sommer macht auch im Oktober noch gute Laune, doch über Kommissar Dupins Team zieht ein Schatten. Die 89-jährige Tante seines Inspektors Kadeg stirbt, und das nicht einfach so. Vorausgegangen ist eine Reihe unheimlicher Ereignisse, die in der Gegend als „Vorzeichen des Todes“ gedeutet werden. Was zunächst nach dem Ende eines langen Lebens aussieht, bekommt schlagartig eine andere Färbung, als Kadeg selbst auf dem Anwesen der Verstorbenen lebensgefährlich angegriffen wird.

Das trifft Dupin, Riwal und Nolwenn bis ins Mark. Der sonst so eigenwillige Kommissar ermittelt diesmal nicht aus professioneller Distanz, sondern weil einer der ihren in Gefahr ist. Schauplatz ist eine geschichtsträchtige ehemalige Abtei im wilden bretonischen Norden, in der Kadegs Tante gelebt hat.

Zwischen rauem Atlantik und betörenden Apfelwiesen sucht das Team nach den Gründen für die Tat. Alte Geschichten, verschwiegene Nachbarn und die besondere Aura des alten Gemäuers machen die Ermittlung zu einer der atmosphärisch dichtesten der ganzen Reihe.

Unser Fazit zu Bretonische Nächte

„Bretonische Nächte“ gehört für uns zu den stärkeren Bänden der Reihe, und das liegt am persönlichen Einsatz. Dass ausgerechnet der oft als Nervensäge angelegte Kadeg ins Zentrum rückt und das Team um einen der Ihren bangt, gibt dem Buch eine emotionale Wucht, die Bannalec nicht immer ausspielt. Plötzlich geht es nicht nur um einen Fall, sondern um Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind.

Auch die Kulisse trägt: Die einsame Abtei, der herbstliche Norden, die „Vorzeichen des Todes“ verleihen dem Band einen leicht düsteren, fast schaurigen Unterton, der gut zur Jahreszeit im Buch passt. Das ist stimmungsvoller und eine Spur spannungsgeladener als der gewohnte Bannalec-Sommerkrimi.

Wo wir abwägen: Auch hier bleibt der Autor seinem gemächlichen Erzähltempo treu, und die Auflösung kommt eher leise als spektakulär. Wer Bannalec kennt, weiß das zu schätzen, wer Hochspannung sucht, weniger. Insgesamt aber ein runder, angenehm vielschichtiger Band, der die vertrauten Figuren ernst nimmt.

Für Neueinsteiger funktioniert der Kriminalfall eigenständig. Die volle emotionale Wirkung entfaltet er aber nur, wenn man Kadeg und das Team aus den Vorgängern kennt. Wer einsteigen will, beginnt besser bei Band 1.

TitelBretonische Nächte
AutorJean-Luc Bannalec
Band11 (Kommissar Dupin)
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum2022
Seitenanzahl336
ISBN978-3-462-05403-3
Preis Taschenbuch13,00 €
Preis E-Book10,99 €
Bewertung★★★★☆ (4 von 5)

Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, als Taschenbuch für 13,00 Euro erhältlich, als E-Book für 10,99 Euro. Hier bei Amazon bestellen

Alle Bände der Reihe in ihrer Reihenfolge

Mehr zum Autor und zur kompletten Reihe auf unserer Übersichtsseite zu den Kommissar-Dupin-Krimis.

Die Verfilmung im Ersten

„Bretonische Nächte“ wurde von der ARD Degeto verfilmt und lief als elfter Film der Reihe am 20. April 2023 im Ersten. Pasquale Aleardi spielt erneut Kommissar Dupin. Der herbstlich-düstere Ton der Vorlage gibt der Verfilmung eine ungewöhnliche Stimmung.

Wie bei allen Dupin-Filmen weicht das Drehbuch von der Romanvorlage ab. Unsere Empfehlung bleibt deshalb: erst das Buch, dann der Film. Gerade die persönliche Ebene rund um Kadeg kommt im Roman stärker zur Geltung.

FAQ zu Bretonische Nächte

Muss ich die Vorgänger kennen, um „Bretonische Nächte“ zu lesen?

Der Kriminalfall ist abgeschlossen, aber dieser Band lebt besonders von der persönlichen Betroffenheit des Teams. Die volle Wirkung entfaltet er nur, wenn man Kadeg und die Kollegen schon kennt. Wir empfehlen die chronologische Reihenfolge.

Wo spielt „Bretonische Nächte“?

Im wilden bretonischen Norden, rund um eine abgelegene ehemalige Abtei zwischen rauem Atlantik und Apfelwiesen. Die herbstliche Kulisse prägt die Stimmung des Buches.

Wurde „Bretonische Nächte“ verfilmt?

Ja. Die ARD-Degeto-Verfilmung wurde am 20. April 2023 im Ersten erstgesendet, mit Pasquale Aleardi als Dupin. Sie ist in der ARD Mediathek zu finden.

Ist „Bretonische Nächte“ düsterer als die anderen Bände?

Ja, etwas. Die „Vorzeichen des Todes“, die einsame Abtei und der Angriff auf einen aus dem Team geben dem Roman einen merklich dunkleren, spannungsgeladeneren Ton als den sommerlichen Vorgängern.