Das Alphabethaus

Wenn Jussi Adler-Olsen schreibt, steht das geneigte Krimi-Herz Gewehr bei Fuß. Der dänische Autor, der sich vor allem durch die Carl-Mørck-Reihe ein schauriges Denkmal setzte, legte mit „Das Alphabethaus“ bereits im Jahr 1997 einen wichtigen Grundstein seines späteren Schaffens. Dass der Roman ganze 15 Jahre lang auf eine deutsche Veröffentlichung warten musste, erscheint mit heutigen Maßstäben nahezu unverständlich. Doch besser spät als nie!

Von Krieg und Verzweiflung

Adler-Olsen Alphabethaus
Alphabethaus
Deutschland im Januar 1944: Der Krieg neigt sich seinem unweigerlichen Ende zu und führt sämtliche Truppenteile an die Grenzen der Erschöpfung. Die Piloten Bryan und James agieren auf britischer Seite und erleben im Kampf den Ernstfall: Als sie mitten in der Luft abgeschossen werden, liegt ihre einzige Überlebenschance in einem vorbei fahrenden Lazarettzug, der gefangene Deutsche in Sicherheit schaffen soll. Kaum haben sie zwei schwerverletzte SS-Offiziere beseitigt, nehmen sie kurzerhand deren Plätze ein – typische SS-Tätowierungen inklusive. Die Fahrt endet in einem entfernten Lager in Freiburg; dem „Alphabethaus“, das nicht zuletzt für seine grausamen Behandlungen und gnadenlose Auslese von Simulanten bekannt ist. Unliebsame Insassen werden mit Elektroschocks und Psychopharmaka beseitigt.

Um nicht frühzeitig in den Verdacht der Lagerleitung zu geraten, erfinden die Briten eine Kriegsneurose, um weder von ihrer Vergangenheit erzählen noch überhaupt sprechen zu müssen. Das Vorhaben, das sich eine Zeit lang als positiv erweist, geht schlussendlich doch mit der Erregung zweifelnder Offiziere einher. Als eine kleine Gruppe von SS-Männern den Plan fasst, die Briten unschädlich zu machen, schafft es Bryan, das Alphabethaus zu verlassen, um sich auf eigene Faust zurück in die Heimat zu schlagen. Welches Schicksal seinen Gefährten James ereilt, kann er nur erahnen. Erst 30 Jahre später verschlägt es den Überlebenden im Rahmen einer Beratertätigkeit wieder nach Deutschland, wo er die Spuren seines alten Kameraden aufnimmt und vor eine entsetzliche Wahrheit gestellt wird.

Unser Fazit zu Das Alphabethaus: Der etwas andere Adler-Olsen

Für Leser späterer Adler-Olsen-Werke mag „Das Alphabethaus“ zunächst einen sehr eigenwilligen Charakter genießen. Statt sich auf das Krimi-Genre einzuschießen, schreibt die Geschichte um die beiden Weltkriegs-Verletzten gänzlich andere Nuancen, die eher klassischen Kriegswirren entsprechen, ohne den mahnenden Finger zu heben. An Klasse und Qualität wird dabei jedoch nicht gespart: Adler-Olsen schafft stilvolle Kulissen und garniert sie immer wieder mit der fürchterlichen Realität, die inmitten des Zweiten Weltkriegs niemanden zu Ruhe und Gelassenheit animiert hat. Wer „Das Alphabethaus“ unter falschen Voraussetzungen liest, kann schnell enttäuscht werden, sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass wesentlich mehr im dänischen Autor steckt, dessen Werke nicht zu Unrecht nach und nach verfilmt werden.

„Das Alphabethaus“ benötigt ohne jeden Zweifel einen ganz bestimmten Geschmack. Denn dass die Geschichte an einigen Stellen sehr unglaubwürdig konstruiert wurde, lässt sich nicht leugnen – und wird gerade Historiker eher verschrecken als unterhalten. Kann der Leser die offensichtlichen Schwächen übersehen, entfaltet die Handlung eine zunehmend beklemmende Stimmung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.

Alle Fakten zu Das Alphabethaus

Das Alphabethaus ist 2012 im deutschen TAschenbuch Verlag erschienen. Das Taschenbuch (592 Seiten) kostet 15,90 EUR. Die Ebook Version für den Kindle nur 8,99 EUR. Jetzt gleich Online bei amazon kaufen.
Gebraucht kann das Alphabethaus schon für 2 EUR bei booklooker gekauft werden. Neben dem Flohmarkt sind auch ebay, amazon und auch medimops gute Quellen um ein gebrauchtes Taschenbuch zu kaufen.

Weitere Bücher von Jussi Adler Olsen
Band 1: Erbarmen
Band 2: Schändung
Band 3: Erlösung
Band 4: Verachtung
Band 5: Erwartung
Band 6: Verheissung. Verheissung erscheint am 16. März 2015. Jetzt schon bei amazon vorbestellen.

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